Presse: Sächsische Zeitung 24. November 2007 / Lausitzer Leben 25. November 2007 -  
  Geschichten aus Zwergenland  

 


Hier, am Kamin in der Hubertusbaude in Waltersdorf im Zittauer Gebirge liest Ulrike Leubner jede Woche Geschichten vor, die sie selbst geschrieben hat. Nicht nur Kinder hören ihr gern zu, auch viele Erwachsene. Zu ihren Fans gehört die Schriftstellerin Renate Holland-Moritz aus Berlin. Foto: Matthias Weber








Ulrike Leubner aus Olbersdorf schreibt nicht nur Bücher, sie lässt auch Erwachsene für einen Band zeichnen - selbst die Rockband Silbermond.

Die Straße schlängelt sich durch das Zittauer Gebirge bis nach Waltersdorf an die Lausche, den höchsten Berg in dieser verschneiten Landschaft. Der Weg bis ganz nach oben zur Hubertusbaude wird von weiß bedeckten Bäumen gesäumt und sieht aus wie eine Märchen-Kulisse. So ist der Besucher schon bestens eingestimmt auf den Abend am Kamin. Hier liest Ulrike Leubner aus Olbersdorf jede Woche Geschichten vor, die sie selbst geschrieben hat.

Fans von drei bis 90 Jahren

Es geht hinein ins Zwergenland - nach Finsterhausen, wo die Taschenlampe erfunden wurde. Oder zu Oma Anna, die mit den Fischen spricht. Sie hört nämlich nicht mehr so richtig, ist aber ein wenig eitel und möchte kein Hörgerät tragen. Wenn sie etwas verstehen will, schaut sie den Menschen auf den Mund. Den Fischen aufs Mäulchen.

Wie die Autorin auf solche Geschichten kommt? Sie hat sie einst ihren Kindern erzählt, zu Hause, und in der Kindertagesstätte „Zwergenhäusel", in der sie früher als Erzieherin arbeitete. Eines Tages war eine Mutti besorgt, weil ihre Tochter eine Brille tragen sollte. Sie befürchtete, dass ihr Kind gehänselt wird. Die Erzieherin erfand eine Geschichte aus Brillenhausen: Dort ist jeder, der eine Brille trägt, etwas ganz Besonderes. Danach sei die Kleine wie ein Held empfangen worden, sagt Ulrike Leubner.

Als ihre eigenen Kinder groß waren, rieten sie ihr, die Geschichten aufzuschreiben. Die Autorin fand eine junge Verlegerin in Leipzig. Die ließ ihre sechsjährige Nichte Ellis die Geschichten testen und benannte gleich eine ganze Reihe nach ihr. So erschien das erste Zwergenland-Buch 2005 in „ElliS Reihe". Inzwischen ist das dritte in Arbeit. Und Ulrike Leubner schwirren noch so viele Geschichten im Kopf herum. Wie gut sie als Erzählerin ist, zeigt sich bald im Gespräch - wie sie voller Leidenschaft von ihren Zwergen erzählt. Wenn sie liest, zieht sie ganze Familien in ihren Bann. Dabei wünscht sie sich, dass sie Eltern und Großeltern dazu anregt, auch öfter mal selber mit den Kindern Geschichten zu lesen.

Fans hat sie in ganz Deutschland: Drei- bis 80-Jährige, wie sie sagt. Es gibt aber noch Ältere: ihre Nachbarin. Der schenkte sie ein Zwergenland-Buch zum 90. Geburtstag, und die war begeistert. Die Buchstaben seien schön groß, sie habe auch oft gelacht. Zu den prominenten Lesern von Ulrike Leubner gehört die Eulenspiegel-Autorin Renate Holland-Moritz. Beide haben sich bei einer Lesung der Berliner Schriftstellerin kennengelernt. Seitdem schreiben sie sich regelmäßig. Ulrike Leubner wird auch gern mal über die Ländergrenze hinaus aktiv. „Ich wollte herausfinden, ob der Zwerg international ist", sagt sie. Auf einer Asienreise fand sie in Nepal Menschen, die gute und böse Zwerge kennen. Die Chinesen allerdings hätten gar keine Vorstellung von Zwergen, berichtet sie.

Prominente tun sich schwer

Überall bittet Ulrike Leubner ihre Zuhörer, Zwerge zu malen. Mit Kindern aus der Region fing sie an. Ihre Bilder sind inzwischen im Zwergenland-Buch verewigt. Im dritten Band will sie Zeichnungen von Erwachsenen zeigen. Vom Liedermacher Gerhard Schöne hat sie schon einen Zwerg. Renate Holland-Moritz schrieb, dass sie gern einen gemalt hätte. Sie würde aber höchstens ein Karnickel zustande bringen. Ulrike Leubner entschied: „Das darf mit rein."

Die Schauspielerin und Sängerin Eva-Maria Hagen schickte ein Foto von der Premiere des Otto-Films „Sieben Zwerge" mit ihrer Tochter Nina. Von der Bautzener Rockband Silbermond erwartet sie noch einen Zwerg. Die Musiker hätten zwar festgestellt, dass sie eigentlich keinen zeichnen könnten, sagt die Autorin. Aber sie bleibt dran.

Auch wenn die Bände mit solchen Bildern gestaltet werden, zu den Geschichten selbst gibt es keine Illustrationen. So könnten die Kinder ihre Fantasie spielen lassen, sagt Ulrike Leubner. Bleibt noch die Frage, wo das Zwergenland eigentlich liegt. Das wollen viele ihrer jungen Zuhörer wissen. Und Ulrike Leubner antwortet: „gleich hier hinten, an der Lausche."

Von Silvia Stengel