„Aoteroa“, Land der langen weißen Wolke - so nennen die Neuseeländer ihre wundervolle Heimat,
die aus zwei Inseln besteht: der Nordinsel und der Südinsel.
Neuseeland ist geologisch betrachtet eines der jüngsten Länder der Erde und es liegt - könnten wir die Erde im Mittelpunkt durchqueren - genau auf der gegenüberliegenden Seite Europas.
Im 13. Jahrhundert besiedelten die Maoris in mehreren Wellen das Land. Sie begaben sich nach
heutigem Wissensstand mit Booten auf Landsuche, da ihre Heimatinsel Hawaiki ähnlich der
legendären Insel Atlantis im Meer versank.
1642 entdeckte der Europäer Abel Tasman und 1769 Kapitän James Cook die Insel. Sie sorgten für
die heute sehr starken europäischen Verhältnisse auf dieser Insel.
Leider bezogen sich die Einflüsse nicht nur auf Pflanzen- und Tierreich, sondern auch auf die
Ureinwohner. Am 6. Februar 1840 riefen die Engländer die Insel zu einer britischen Kolonie aus.
Die Maoris wurden ihres Landbesitzes enteignet, dienten als Arbeiter und sogar als Soldaten für
England im 2. Weltkrieg.
Auch wenn sich die britische Regierung bei den Maoris für das Unrecht entschuldigte und 2008 den
Ureinwohnern eine finanzielle Entschädigung zugestand, leben die Menschen noch sehr
scheu und zurückgezogen.
Während meiner Reise über beide Inseln konnte ich neuseeländischen Kindern in die Klassenzimmer oder
beim Unterricht über die Zäune schauen. Da das Land so wenig besiedelt ist und zur Folge kleine
Ortschaften hat, gibt es überall Sammeltransporte mit Schulbussen. Die Kinder in kleinen Schulen
besuchen gemeinsam oft nur eine altersübergreifende Klasse. In ihren Schuluniformen strömen sie
nach dem Unterricht aus den Schulen. Neben den Pflichtfächern Mathematik, Englisch,
Naturwissenschaften und Geschichte können sie den weiteren Teil ihres Unterrichtes
durch Wahlfächer selbst gestalten. Statt Zensuren gibt es Punkte.
In Neuseeland gibt es eine Schulpflicht. Die Kinder besuchen die Schule ab dem 5. Lebensjahr in 3 Stufen:
Primärstufe - Primary Schools: Klasse 1 bis 8; Sekundärstufe - Secondary-Schools: Klasse 9 bis 13;
und dann besteht die Möglichkeit des Besuches einer Universität. Die Amtssprache in Neuseeland ist
englisch. In den Maorigebieten lernen die Kinder wieder Te Reo Maori, die Sprache ihrer Vorfahren,
die fast ausgestorben ist. Nur noch 4 % der Neuseeländer können diese Sprache sprechen und noch
weniger kennen die Schriftzeichen. Die Regierung bemüht sich sehr, das zu ändern. Seit 2004
strahlt Maori-Television in Te Reo Maori mit englischen Untertiteln aus und in „Kohanga reo“,
so genannten „Sprachnestern“, werden bereits die Kleinsten mit dieser Sprache vertraut gemacht.
Es gibt Bilderbücher in Englisch und Maori, die sicherlich viele Kinder mit dem Klang dieser
schönen Sprache bekannt machen.
Mir ist besonders der liebevolle Umgang der Menschen mit ihren Kindern aufgefallen und
die große Ruhe, die Neuseeländer ausstrahlen. Meine Neugier animierte mich immer wieder zum Fotohalt
an Kindereinrichtungen. In Dunedin, einer Stadt auf der Südinsel, lockte mich das Schild „Kindergarten“
aus dem Caravan, und als ich meine Nase neugierig über das Tor reckte, öffnete es sich. Eine sehr
freundliche Erzieherin mit einem Hut auf dem Kopf bat mich herein. Sie stellte mir ihre Kolleginnen
vor und bereitwillig zeigte sie mir die ganze Einrichtung. Im Gruppenraum schrieb gerade eine „Teacher“
eine „Learning Storie“ - zu deutsch: Bildungs- und Lerngeschichte. Dieses Verfahren wurde nach
Deutschland übertragen und wird unterdessen in vielen Kindereinrichtungen praktiziert. Ich durfte
die Portfolios von Kindern einsehen und bei der Arbeit mit den Kindern zusehen. Ein überaus liebevolles
Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern, dass vor allem durch Achtung und Wertschätzung geprägt war,
fiel mir auf. In den Räumen begrüßte mich nicht wie in deutschen Kindereinrichtungen buntes Spielzeug,
sondern Regale voller Materialien. Die Erzieherinnen und Kinder malten, schnitten, klebten, sägten
und hämmerten gemeinsam. Das so entstandene Spielzeug erfüllte damit zusätzlich den Part des
Lernens und Übens. Die Eindrücke dieser Begegnung werden mich wohl nie loslassen!
Die Kinder Nepals
Inmitten der höchsten Berge der Erde, in einer fantastisch schönen, aber rauen Welt leben Menschen, denen trotz aller Widrigkeiten eines ungeheuer schweren Lebens immer ein Lächeln zum Willkommensgruß im Gesicht wohnt: „Namaste!“
Mit schwersten Lasten (bis zu drei Zentnern!) auf dem Rücken überwinden Männer und Frauen Kilometer an steilem, unwegsamem Gelände, schleppen Waren, Baumaterialien und das Gepäck der Trekkingtouristen an ihre Bestimmungsorte. Es ist eine der wenigen Verdienstquellen in den Bergen, die den Familien neben dem Ackerbau für die Ernährung zum Beispiel den Luxus des Schulgeldes für ihre Kinder ermöglichen. Es gibt in Nepal keine Schulpflicht, jedoch gegen die Zahlung von Schulgeld die Möglichkeit, den Kindern eine Schulbildung zukommen zu lassen. So können die Kinder ab dem Alter von 5 Jahren (mancherorts sogar 3 Jahren) in die Vorschule geschickt werden. Dort wird bereits gelernt, wie später ab dem 7. Lebensjahr in der Schule. Die Grundschule (1. bis 7. Klasse) kann vergleichbar zu unserer Realschule mit dem Gymnasium ergänzt werden. Dann steht theoretisch den Kindern Nepals die Möglichkeit offen, zu studieren. Theoretisch deshalb, weil in der Praxis den wenigsten Eltern die Finanzierung des Studiums möglich ist.
Auf unserer Trekkingtour trafen wir täglich Kinder in ihren bunten Schuluniformen auf dem Weg zur Schule. Mit Stolz und Fröhlichkeit in den Gesichtern liefen sie zügig auf den schmalen, zumeist steinigen oder gar gerölligen Wegen bergauf und bergab, vorbei an tiefen Abgründen, über Hängebrücken, sich ständig durch die Kolonnen der Tragetiere, Träger und der Touristen schlängelnd. Die Größeren führten die Kleinen zur Sicherheit an der Hand. Auf dem Nachhauseweg blieb mitunter ein wenig Zeit zum Spielen: Weitwerfen, Staudämme bauen und Stöckchentürme errichten. Nicht alle Kinder können zum Spielen verweilen. Mancherorts absolvieren Kinder pro Strecke bis zu 2,5 Stunden Schulweg!
Bei unserem Besuch in der Sherpa-Schule in Monju, Solu Khumbu trafen wir erst nach 16 Uhr von unserer Trekkingtour ein, als die Kinder bereits den Heimweg angetreten hatten, um bis zum Einbruch der Dunkelheit ihren Heimatort erreichen zu können. Das Schulteam erwartete uns mit staunenden Augen und nahm die kleinen Wollzwerge der Hartauer Schkola-Kinder und meinen Spendenzwerg mit dem gesammelten Geld entgegen. Der Betrag wurde in das große offizielle Spendenbuch eingetragen und durch meine Unterschrift besiegelt. Wie sehr diese kleine bescheidene Bergschule, ihre Kinder und Pädagogen diese Hilfe benötigen, begriff ich erst vor Ort richtig. In sehr bescheidenen Räumen und mit wenigen Unterrichtsmitteln erhalten die Kinder die Chance einer Grundbildung.
Am nächsten Morgen empfing uns der Lehrer vor unserer Lodge. In tiefster Dankbarkeit schmückte er jeden von uns mit einem Katta (Gebetsschal), den wir auf unserem Rückweg an der legendären Hillary-Brigde befestigten.
Während unserer dreiwöchigen Trekkingtour mit dem Ziel Ama Dablam Basislager (4650 m) konnte ich noch weitere Schulen besuchen. Viele Bergschulen erhalten Spenden aus verschiedenen Ländern, und weit verbreitet ist im Khumbu die Hillary-Stiftung tätig. Als Mitglied des Deutschen Alpenvereines freue ich mich ganz besonders über die Hilfsaktivitäten unseres DAV Summit Clubs. Wer noch mehr über meine Trekkingtour erfahren möchte, kann unter www.steinundkraut.de/nepal.php unter Aktuelles nachlesen.
Die Kinder Perus
In Peru lebt ein Drittel der Bevölkerung in der Hauptstadt Lima. Der größte Teil der Einwohner besteht aus Indios – der armen Bevölkerung. Sie wohnen in dem riesigen Außengürtel der Stadt in Häusern aus Lehm, Brettern oder gar Folien. 54% der Einwohner sind Indios (Schwarze), 34% Mischlinge und 12% Weiße.
Ein sehr geringer Anteil der Kinder hat also die Chance auf Wohlstand.
In den ländlichen Gegenden sind die Kinder in Familien und Dorfgemeinschaften eingebunden. In sehr armen Verhältnissen genießen sie trotzdem viel Freiheit, spielen und lernen miteinander.
Schulen: Die in Peru bestehende Schulpflicht wird – bis auf wenige Ausnahmen in sehr abgelegenen Gegenden – gern wahrgenommen. Peruanische Kinder sind stolz, lernen zu dürfen. In allen Städten und sogar Dörfern gibt es Schulen. Die Gebäude aus Lehmziegeln heben sich von den Wohnhäusern mitunter durch verputzte Außenwände und eine liebevoll verzierte Außenfassade ab. In den Städten tragen die Kinder Schuluniformen, die in unterschiedlichen Farben und Formen die Gestalt der verschiedenen Schulen (vor allem der Privatschulen) zeigen.
Schulzeit: Die Grundschulzeit beträgt 6 Jahre und in den Städten beginnt das Lernen für einige Kinder bereits ein Jahr vor dem Schuleintritt im Kindergarten. Dann gibt es unterschiedliche Möglichkeiten für höhere Schulen, die in der Regel durch den finanziellen Wohlstand der Eltern beeinflusst werden.
In der Stadt Cusco gibt es eine deutsche Schule.
Sprache: In den Schulen lernen die Kinder ausschließlich die spanische Sprache. Mit der Sprache ihrer Vorfahren haben sie nur noch Kontakt durch den verbalen Umgang mit ihren Familien.
Während meiner Reise durch Peru hatte ich das Glück, die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag (28. Juli) mitzuerleben. In Cusco gab es tagelang Paraden, die von den Schulen der Stadt nach dem Alter der Schüler gestaffelt gestaltet wurden. Mit Stolz marschierten die Kinder in ihren Uniformen zum Teil sogar mit Stechschritt um den Hauptplatz und wurden von der Bevölkerung bejubelt.
Weiterhin durfte ich gemeinsam mit meiner kleinen Reisegruppe an der Schulinsel auf dem Titicacasee vor Anker gehen. Während die Kinder gerade ihre Unterrichtspause mit Tanz und Spiel verbrachten, nutzte ich die Gelegenheit, mich in den Klassenzimmern – oder genauer gesagt Klassenhäusern – umzusehen. Die Kinder lernen in Peru auf sehr spielerische Weise und nah mit ihrem Lebensraum verbunden (die Zahl 2 wird zum Beispiel von einer Ente abgeleitet).
In einem der Schulhäuser auf dem Titicacasee befindet sich ein Computerkabinett. Es handelt sich um ein Geschenk der Regierung.
Die Freundlichkeit, Zufriedenheit und Dankbarkeit der Kinder hat mich sehr beeindruckt. Sie tragen nicht selten zerrissene Kleidung, laufen barfüßig und als Spielzeug holen sie sich Gegenstände aus dem herumliegenden Müll. Ihre Eltern ernähren die Familien in erster Linie durch die eigene Landwirtschaft und durch den Hauptwirtschaftszweig Tourismus. Darüber hinaus produziert Peru über 6000 verschiedene (sehr köstliche!) Sorten Kartoffeln. Die Kinder unterstützen ihre Eltern durch die Hilfe beim Souvenir-Verkauf und sie lassen sich mit ihren Kamelen oder Eseln für einen kleinen Obolus fotografieren.
Unsere Reise wurde von einem Fernsehteam des Bayrischen Rundfunks begleitet. Bis in 4600m Höhe schleppten Joseph und Christoph ihre schwere Kameraausrüstung und begegneten den Menschen mit großartigem Einfühlungsvermögen. Sie wurden nicht selten von Einheimischen umringt, die staunend in das große Gerät mit den laufenden Bildern blickten und anschließend ungeniert ihre Freude darüber zum Ausdruck brachten.
Ich lernte zudem die mühsame und sehr schwere Arbeit eines Kamerateams im Hochgebirge kennen und nutzte so manche Drehpause für meine Mission: Kinder
Ein besonderer Dank gilt unserem überaus aufmerksamen und fleißigen Reiseleiter Giancarlo! Er legte uns sein Land mit dieser malerischen Landschaft und den freundlichen Menschen mit unermüdlichem Engagement ans Herz. Erst durch seine Geduld, mit der er meine so zahlreichen Fragen beantwortete und seinem Einsatz, mir manche zusätzlichen Tore zu öffnen, ist dieser Bericht möglich geworden.
August 2008
Die Kinder Tibets
Tibets Kinder leben in den Hochebenen des Daches der Welt: dem Himalaya. Im Osten Tibets bauen sie mit ihren Eltern Getreide an und im Westen begleiten sie als Nomaden ihre Tierherden. Sie leben in einfachsten Verhältnissen: in Lehmhäusern oder Zelten.
Schulzeit: Im Grundschulalter besuchen die Kinder in Schuluniformen gemeinsam mit den chinesischen Kindern die Schulen in den größeren Städten. Sie lernen ausschließlich die chinesischen Schriftzeichen.
Ab der 5. Klasse fahren die Kinder in Mehrtagesreisen ohne ihre Eltern nach China. Sie kommen dort in dem großen fremden Land weit ab von Heimat und Familie ihrer Schulpflicht nach. Nur im Sommer in den Schulferien dürfen sie ihre Eltern besuchen.
Tibets Kinder erben somit weder Sprache noch die Kultur ihrer Vorfahren nachhaltig – sie werden chinesisch erzogen und geschult, sie kennen nicht die Schriftzeichen ihrer Muttersprache.
Viele Kinder werden von verzweifelten Eltern über die gefährlichen Gebirgspässe nach Indien geschickt, damit sie es dort besser haben. In Indien gibt es ganze Ortschaften mit tibetischen Einwohnern. Sie leben unter dem Schutz der indischen Regierung und des Dalai-Lamas, der sich ebenfalls im Exil in Indien aufhält. Der Strom der Flüchtlinge aus Tibet hält an. Unterdessen lebt nur noch ein Drittel der Tibeter in Tibet.
China hat ein „Rückführungsprogramm“ für die Öffentlichkeit verabschiedet: Die Tibeter erhalten für eine immense Geldsumme das Aufenthaltsrecht für ihre Kinder für einen Zeitraum von 3 Wochen. Wenn sie länger bleiben wollen, muss das Aufenthaltsrecht wieder im 3-Wochen-Takt erkauft werden.
Tibeter sind arm! Sie besitzen kaum Geld, um sich zu ernähren ...
Bei einer Tibetreise 2007 lernte ich die überaus beeindruckenden Menschen Tibets kennen. Vor allem die Kinder wuchsen mir ans Herz!